Vom Lesen und vom Schreiben. Von Self Publishern und Verlagsautoren. Und von vier ganz besonderen Autorinnen, die mein Herz berührt haben.

Bücher begleiten mein Leben, seitdem ich denken kann. Sie waren – und sind – nahezu die einzige Konstante im Auf und Ab der Jahrzehnte. Die ersten kamen als Märchen und Sagen in mein Leben, da konnte ich gerade erst laufen: Unsere geliebte Nanny las abends meiner Schwester und mir vor – unsere Eltern waren kaum zu Hause. Einige Jahre später, noch vor der Einschulung, begann ich selbst zu lesen.

Viele Jahre blieb "The tale of Peter Rabbitt" von Beatrix Potter mein Lieblingsbuch, später begann ich auch deutschsprachige Bücher zu verschlingen. Erich Kästner und Wilhelm Busch wechselten sich mit Lewis Carroll, Charles Kingsley und Hugh Lofting ab.

Hemingway, Michener, Clavell und die Brontë–Schwestern folgten – bis ich meine Liebe für Thriller und Krimis einerseits, und die Klassiker der Erotik andererseits, entdeckte.

Bücher waren der Ausgleich zu der trockenen Pflichtektüre, die mein Wirtschaftsstudium begleitete, und später der Lichtblick nach den endlosen Arbeitstagen, die meine Tätigkeit mit sich bringt – und sind es bis heute geblieben.

Nicht der einzige, jedoch: Neben Artikeln und Fachliteratur, die bald Teil meines Berufslebens waren, wurde das Schreiben von erfundenen Geschichten immer wichtiger für mich.

Aus den Tagebuchseiten meiner Jugend entwickelten sich die ersten Erzählungen in englischer, einige Jahre später auch in italienischer Sprache. Wie ich tagtäglich sprach und las, schrieb ich auch.

 

Niemals hätte ich gedacht, mich wieder einmal der deutschen Sprache zu nähern. Doch dann änderte sich alles: Es war im Jahr 2009 in Boston, als mir meine Cousine ihren Kindle zeigte. Allein der Gedanke auf Reisen nicht mehr kiloweise Bücher im Gepäck zu haben – und oftmals eines zurücklassen zu müssen, weil es einfach nicht mehr in den Koffer passte –, kaufte ich meinen ersten eReader.

Es dauerte jedoch noch mehr als zwei Jahre, bis nach und nach immer mehr deutschsprachige und italienische eBooks in den Verkauf kamen. Mein Leseverhalten veränderte sich.

 

Plötzlich las ich auch wieder in der Sprache meines Vaters und entdeckte Genres, die ich früher kaum beachtet hatte – so auch das der Liebesromane. Dass ich heute selbst welche schreibe – noch dazu auf Deutsch – erscheint mir immer noch irritierend, um nicht zu sagen unwahrscheinlich.

Aber wie kann man widerstehen das niederzuschreiben, was man im Herzen hat, wenn die Lektüre eines Buches nicht nur den Geist vereinnahmt, sondern auch das Herz berührt?

 

Mein Dank gilt zwei fantastischen Frauen und Freundinnen, die es – damals als Self-Publishing-Autorinnen der ersten Stunde – mit ihren Büchern geschafft haben, meine Lust, die deutsche Sprache zu perfektionieren, anfachten. Die deutsche Rechtschreibreform 1996 war natürlich sang- und klanglos an mir vorbeigegangen. Nachdem ich diese Romane gelesen hatte, wollte auch ich Bücher in der Sprache Goethes – und meines verstorbenen Vaters verfassen.

 

Hanni Münzer mit ihrem Roman „Die Seelenfischer“, dem ersten Teil der Seelenfischer-Tatralogie, dem die nachfolgenden Bände um nichts nachstehen. Dass auch "Honigtot" einen besonderen Platz in meinem Herzen hat, steht außer Frage.

 

Nika Lubitsch mit ihrem Kriminalroman „Der 7. Tag“. Dass ich viel zu lange auf ihr nächstes Buch „Das 5. Gebot“ warten musste, nahm ich ihr damals wirklich übel!

 

Ein Jahr verging. Mittlerweile schrieb ich nicht nur auf Deutsch, ich veröffentlichte auch – nach anderen Publikationen unter Pseudonym und einer negativen Erfahrung mit einem Verlag – meinen ersten deutschsprachigen Liebesroman als Self Publisherin. Mein Verständnis für die AutorInnen des Genres "Liebe" nahm – und nimmt beständig zu. Und doch schafft es nur sehr selten ein Buch unter den Hunderten, die ich alljährlich lese, mich emotional zu berühren.

 

Im vergangenen Jahr war es „Pygmalion – perfekt unverliebt“ von Clannon Miller, das mich zwei schlaflose Nächte kostete, und jetzt geschah es wieder.

 

Nur der Gedanke an „In meinem Herzen nur du“, dem Roman, der auf dem Kindle darauf wartete weitergelesen zu werden, hat mich die letzten Tage immer wieder von meinen beruflichen Pflichten abgelenkt. Bis zur letzten Nacht, als ich das letzte Wort las. Katharina Burkhardt ist ein berührendes und aufwühlendes Porträt menschlicher Emotionen gelungen, das mich den Kindle mit Tränen in den Augen weglegen ließ.

 

So gerne ich schreibe, ich muss jeden Tag zumindest eine Stunde lesen, um glücklich zu sein. Dabei wechsle ich liebend gerne Genre auch wenn es einige gibt, die nicht meinen Geschmack treffen und mache keinen Unterschied zwischen Self Publishern und Verlagsautoren

 

Keinen Vertrag mit einem Verlag zu haben, bedeutet nicht, dass ein Autor nicht schreiben kann. So wie es keine Garantie für einen gut geschriebenen Inhalt gibt, wenn das Logo eines bekannten Verlages ein Buchcover ziert.

 

Es ist unbedeutend, ob man ein Buch ungelesen oder aber eines mit Tränen in den Augen beiseite legt. Jedes einzelne Mal  ist ein kleiner Verlust.

In diesem Fall hilft mir der Spruch „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen“. Wie im Leben auch … Ich lege das Buch weg und nehme mir das nächste vor.

Denn nach dem Wort „Ende“ gibt es immer einen Neubeginn. Beim Lesen, wie beim Schreiben.

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Nika Lubitsch (Freitag, 19 August 2016 13:47)

    Wie schön, liebe Lisa, dass ich Dich berühren durfte. Weißt Du eigentlich, dass ich nie, nie, nie Liebesromane lese? Okay, man nennt das heute Romance, kommt aber auf das Gleiche heraus. Du bist wohl die Einzige unter den Romance-Autorinnen, von der ich gleich mehrere Bücher gelesen habe. Und das mit sehr viel Vergnügen.

    Es grüßt Dich herzlich aus Berlin
    Deine Kollegin und Sister in Mind
    Nika

  • #2

    Lisa Torberg (Freitag, 19 August 2016 14:09)

    Oh ja, allerdings! Und ich freue mich jedesmal, wenn du dich "überwindest" und eine Romance liest.
    Liebe Grüße aus Rom nach Berlin,
    Deine ewig dankbare Lisa